In der vergangenen Woche machte sich unser 11. Jahrgang nunmehr zum vierten Mal auf den Weg nach Krakau mit dem Ziel, sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, Orte des Erinnerns zu besuchen und zugleich einen Einblick in jüdisches Leben damals und heute zu gewinnen.
Einen zentralen und emotionalen Höhepunkt bildete die Teilnahme unserer Gruppe am „March of the Living“. Gemeinsam mit tausenden Jugendlichen aus aller Welt wurde der Weg von Auschwitz nach Birkenau gegangen – ein symbolischer Akt des Erinnerns und Gedenkens. Dabei entstand eine besondere Atmosphäre, die weit über das reine historische Lernen hinausging. Es waren spürbare, echte Emotionen, ein Gefühl von Verbundenheit und gemeinsamer Verantwortung. Die Teilnehmenden erlebten sich als Teil einer Generation, die das, was an diesem Ort geschehen ist, nicht in Vergessenheit geraten lässt und sich aktiv dafür einsetzt, dass sich so etwas nie wiederholt.
Der Austausch mit Jugendlichen aus aller Welt eröffnete neue Perspektiven und zeigte, wie Erinnerungskultur international getragen wird. Gleichzeitig wurde deutlich, dass jüdisches Leben heute existiert – lebendig, jung, fröhlich und selbstbewusst. Dass an einem Ort, der für unermessliches Leid steht, gemeinsam gesungen, getanzt und das Leben gefeiert werden kann, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Diese Erfahrung vermittelte nicht nur Hoffnung, sondern auch die Erkenntnis, dass das nationalsozialistische Ziel der vollständigen Vernichtung jüdischen Lebens nicht erreicht wurde.
Viele der Jugendlichen suchten aktiv das Gespräch, tauschten sich aus, teilten Emotionen und traten miteinander in Kontakt. Auch zurückhaltendere Teilnehmende ließen sich von der Atmosphäre mitreißen und öffneten sich für diese besondere Form des gemeinsamen Erinnerns. Die Mischung aus Gedenken, Begegnung und gelebter Gemeinschaft machte den Tag zu einer intensiven Erfahrung, die weit über den Moment hinauswirkt.
Im Anschluss fand ein Zeitzeugengespräch mit Eva Umlauf statt. Ihre persönlichen Schilderungen verliehen den zuvor gewonnenen Eindrücken zusätzliche Tiefe und machten deutlich, dass hinter den historischen Zahlen individuelle Lebensgeschichten stehen.
Der Tag hinterließ bei vielen die zentrale Frage nach der eigenen Verantwortung: Was kann jede und jeder Einzelne dazu beitragen, dass „Nie wieder“ nicht zu einer leeren Formel wird, sondern gelebte Realität bleibt? Die Erlebnisse dieser Fahrt werden uns begleiten und unser Denken und Handeln nachhaltig prägen.





