Vampire ziehen durch die Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder. Mit
Leitmotiven wie Macht, Gier und Manipulation, feierte am 16.03.2025 die dystopische
Rockoper „Blut. Die Macht des Lichts“ seine Premiere als letzter Teil der „Gier“-Trilogie.
Das Musiktheater, unter der Leitung von Stephan Küchner und Olaf Kaden, probten
monatelang für diesen Moment: die Vorhänge gingen auf und die 12- bis 19-jährigen
Schülerinnen und Schüler präsentierten ihr Ergebnis. Das Stück entfernt sich vom
Populären und Leicht-verdaulichen zu einem gesellschaftskritischen Kampf mit
existenziellen Fragen zu unserem Miteinander. In den Szenen zeigten die Lernenden
aktuelle Themen und Probleme durch eine dystopische Welt der Vampire. Nach der
gescheiterten Rebellion befindet sich das Volk in Aufruhr. Demonstrationen, Verrat und
Zorn gehören zum allnächtlichen Treiben. Die letzte Hoffnung ist das „Elixier des Lebens“,
mit ihm könnte die Vampirwelt wieder menschlich werden. Die Rivalität zwischen der
Herrscherin des Vampirimperiums Integra (Mathilda Proft) und dem Rebellenanführer
Ceres ( führt zum großen Showdown. Hier zeigt sich die wahre Macht des Lichtes, jedoch
anders als geglaubt.
Von der Schülerschaft geschrieben, unterstützt und gespielt.
Das Stück wurde 2012 nach dem Erfolg der ersten beiden Teile überwiegend von
Schüler: Innen geschrieben und aufgeführt. Der musikalische Leiter, Stephan Küchner,
erzählt: „Wir haben uns seit dem Sommer 2010 einen Kopf gemacht, wohin man dieses
Stück entwickeln könnte und sind zu dieser quasi Dystopie gekommen, die doch sehr
viel offenlegt mit Themen wie die Funktionsweise von Diktatur und Machtstreben, auch
innerhalb von Gesellschaften, die sich so sicher wähnen.“
Für die Neuinszenierung des Stückes wurden einige Änderungen vom Regisseur Olaf
Kaden vorgenommen. Der Hauptdarsteller Emil Kaden dazu: „Es wurde erstaunlich
wenig umgeändert, dafür das es so ein altes Stück ist. Ich finde die Sachen, die darin
vorkommen, immer noch sehr zeitgemäß, wie die Kritik an den Obersten.“
Die düstere Stimmung wurde durch die Technik-AG der Schule, mit über 30
Scheinwerfern erschaffen. Damit die Darstellenden zum Setting passen, schafft das
Team um die Maskenbildnerin Iris Aberle das visuelle Design.
Rockig-wilde und nachdenklich-lyrische Botschaften mit aktuellem Bezug
Eine der kraftvollsten Szenen zeigt eine Demonstration der Vampire gegen die Herrschaft
von Integra. Die Demonstrierenden rufen, aus „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller:
„Aus dem Ruf nach mehr Freiheit wird der Schrei nach dem Sturz der Regierung.“ Das
Stück thematisiert, mit Texten wie diesem, auf künstlerische Weise Konflikte um
Machtkämpfe, Gier und die Spaltung in einer Klassengesellschaft. Vor allem die
Spiegelung von aktuellen Themen war von Bedeutung, hierbei betonte Stephan Küchner
die zwei Botschaften des Stückes. Zum einen die inhaltliche Botschaft: „Achtet auf
unsere Welt, achtet auf das, was ihr als Gemeinschaft feststellt und haben wollt.“ Als
weitere Botschaft betont er: „Streicht nicht bei der kulturellen Bildung“.
Die Schulleiterin, Kathrin Voigt, unterstreicht dies: „Wir (die Schulleitung) denken immer,
dass das für eine Schule eigentlich viel zu groß ist, was hier auf die Beine gestellt wird.
Wir freuen uns darüber wie man die Jugendlichen den ganzen Tag aufgeregt durch die
Schule laufen sieht, wie sie geschminkt sind, gute Laune haben und wenn man dann
dabei denkt, wieviel Arbeit dahintersteckt und wie lange sie jetzt an jedem Tag nach der
Schule hier noch gearbeitet haben, dann ist das einfach sensationell.“
Amy Scholta