Brandenburger Jugendliche im Dialog mit der Zeitzeugin und Autorin Ruth Weiss

Die Schriftstellerin und Wirtschaftsjournalistin Ruth Weiss besuchte am 7. Oktober 2015 die Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder und gab uns Heranwachsenden einen tiefen Einblick in die dunkle Vergangenheit des Faschismus und der Apartheid.

Im Jahr 1924 wurde Frau Weiss in Fürth, einer Stadt nahe Nürnberg, geboren und erlebte als Jüdin in Deutschland die Zeit des Nationalsozialismus.

Mit strahlenden Augen erzählt sie uns von ihrer simplen, aber schönen Kindheit in ihrem Heimatort, doch ihr Blick wirkt plötzlich sehr traurig, als sie uns zu erklären versucht, warum sie ihr altes Leben unfreiwillig aufgeben musste. Aufgrund der unwürdigen Lebensumstände für die jüdische Bevölkerung durch den Antisemitismus der Nationalsozialisten war sie dazu gezwungen 1936 nach Südafrika zu immigrieren.

In Käfige gesperrte Menschen auf einem Karnevalsumzug in Nürnberg ist nur einer der vielen Eindrücke, die wir im Laufe der Erzählungen bekommen. Ungläubige Gesichter sind in der Klasse zu beobachten, eine erste Vorahnung macht sich breit…

Dieser Ausbruch sollte die Flucht aus einem menschenverachtenden Systems in eine weitere schwere Diskriminierungsform werden, denn es herrschte Apartheid in Südafrika, die strenge Rassentrennung der dunkelhäutigen von der hellen Gesellschaft.

Bei einigen Beispielen, die Frau Weiss uns schildert, schaudert es uns vor Empörung und Mitleid. Wie man nur so grausam sein kann, fragen wir uns und hören aufmerksam zu während sie von den zahlreichen Begegnungen mit Rassismus spricht.

In einigen Momenten sind wir in Gedanken. Es ist schwer etwas zu begreifen, was man selbst nie persönlich erfahren hat, aber Ruth Weiss bleibt nicht zu lange in der Vergangenheit, sondern nimmt direkt Bezug auf das Hier und Jetzt, denn als hochkarätige Journalistin und spätere Aktivistin arbeitete sie unter anderem bei der „Times of Zambia“ oder „The Guardian“ und führte die Afrika-Redaktion der Deutschen Welle. Als einer der wenigen Menschen kritisierte sie das schreckliche System und stand daher auf der „Schwarzen Liste“.

Jedweder Folgen hingegen arbeitete sie weiter und setzte sich gegen die Apartheid, den Antisemitismus und für die Frauenrechte ein.

Diese Biographie ermutigt. Ruth Weiss setzte ihr eigenes persönliches Wohl für das Leben anderer aufs Spiel und riskierte große Konsequenzen, weil sie wusste, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat wie jeder andere behandelt zu werden.

Lange diskutieren wir über Moral und das Fehlverhalten des Menschen in vielen Situationen am Beispiel des Schulalltags.

Wir, die Schüler, haben das Gefühl, eine wichtige Erfahrung aus dem Gespräch mitgenommen zu haben. Mit den Worten, dass man etwas tun sollte, wenn man davon überzeugt ist etwas wäre falsch, neigt sich das Gespräch mit der Bundesverdienstkreuz-Tragenden dem Ende zu.


Julia Annika Braband, 11/3, Regine-Hildebrandt-Gesamtschule Birkenwerder





Veröffentlicht am:
09:19:00 16.11.2015 von CMS System Benutzer