Wohnheim für Behinderte schließen?

Der Landkreis Oberhavel will das Wohnheim für behinderte Kinder und Jugendliche in Birkenwerder, die die Regine-Hildebrandt-Schule besuchen, in drei Jahren schließen. Nur 15 der derzeit 27 Plätze sind belegt. In den vergangenen zwölf Jahren hat die Belegung kontinuierlich abgenommen. Das kostet den Landkreis viel Geld. Im Jahr gibt es einen rechnerischen Verlust von etwa 350.000 Euro. Es ist aber nicht klar, wo körperbehinderte Schüler nach 2016 wohnen sollen. Ein Konzept für die Nachnutzung des Hauses wurde nicht mitgeliefert. Proteste gegen die Schließung werden laut. Es gibt Argumente für und gegen die Schließung des Heims.

Diskutieren Sie mit: www.die-mark-online.de

Pro: Ein Auslaufmodell

Auch bei sensiblen Themen muss eine nüchterne Analyse erlaubt sein. Im Falle des Behindertenwohnheims sprechen die Fakten aus Sicht des Kreises klar gegen einen Weiterbetrieb: Nur zwei von derzeit 15 Schülern, die dort leben, kommen überhaupt aus Oberhavel. Einmal mehr gibt eine Kommune hier Hunderttausende Euro aus, für die augenscheinlich andere aufkommen müssten: Schüler aus ganz Deutschland profitieren vom Wohnheim - noch. Denn die sinkende Nachfrage zeigt, dass es sich um ein Auslaufmodell handelt. Wenn der Kreis nun die Reißleine zieht, ist das nur konsequent, recht und billig. Der Weg ist diskutabel, die Informationspolitik erst recht. Doch damit behinderte Schüler von außerhalb auch künftig barrierefrei hier lernen und leben können, braucht es kein überdimensioniertes Heim, sondern individuelle Lösungen. Bei der Suche danach sollten Land und Bund mit von der Partie sein.
Mona Schröder

Kontra: Oberhavel bleibt sich treu
Niemand kann dem Landkreis vorwerfen, dass er sich nichts traut. Zuerst lässt er das von behinderten Schülern geliebte Schwimmbad der Regine-Hildebrandt-Schule in Birkenwerder verschwinden, jetzt will er die andere heilige Kuh der Schule schlachten: das im Land einmalige Wohnheim für behinderte Kinder und Jugendliche in Birkenwerder. Es soll aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Es sei nicht ausgelastet, argumentiert die Verwaltung, und das entspreche nicht dem Gesetz. Es widerspricht auch dem Gesetz, Asylbewerbern Bargeld statt Gutscheine zu geben. Trotzdem verfahren viele Landkreise in Brandenburg danach. Oberhavel bleibt sich also treu - gesetzestreu.
Und wie schon beim Schwimmbad sind Schüler, Eltern, Lehrer nicht gefragt, sondern überrumpelt worden von der Entscheidung. Oberhavel ist reich. Es gibt sicherlich eine andere als die radikale Weg-damit-Lösung.
Burkhard Keeve

OGA 23./24.11.2013  (MZV)




Veröffentlicht am:
12:09:00 25.11.2013 von CMS System Benutzer