Beteiligte fühlen sich überrumpelt

In der Diskussion um die angekündigte Schließung des Wohnheims für körperlich behinderte Kinder und Jugendliche in Birkenwerder haben sich der Personalrat des Landkreises sowie Vertreter der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule und der Elternschaft zu Wort gemeldet.

Die Vertreter der Schule und einige Ausschussmitglieder fühlen sich merklich überrumpelt. Die Informationspolitik der Verwaltung wird kritisiert. Eineinhalb Stunden lang befragen sie also im Sozialausschuss am Mittwoch die Verwaltung zu Rechtsgrundlagen, Belegung, Finanzierung und Folgen für die Betroffenen - Schüler und Mitarbeiter.

Der Landkreis hält die Schließung für "unausweichlich", wie Sozialdezernent Michael Garske (parteilos) bekräftigt. Wegen der geringen Auslastung würde der Betrieb des Heims nicht mehr dem Gesetz entsprechen. Zudem werde auch in Zukunft eine sinkende Nachfrage erwartet, so Garske. Derzeit sind nur 15 von 27 Plätzen belegt - zwei der Bewohner sind Schüler aus Oberhavel, weitere kommen aus dem Land und Nachbarländern. 2016 soll das Heim schließen, ab dem kommenden Schuljahr ein Aufnahmestopp gelten, so das Konzept. Die stationäre Einrichtung ist zwar einmalig im Land, aber keine Pflichtaufgabe.

Drei Ausschussmitglieder stimmen schließlich gegen die Schließung, die übrigen sechs sind dafür, unter der Bedingung, dass die Verwaltung ein Nachnutzungskonzept für das Gebäude erstellt. Garske äußert diesen Vorschlag, den die meisten Mitglieder dann als Ergänzung vorschlagen. Außerdem erklärt der Dezernent, dass die Umwandlung in ein Internat nicht einfach erfolgen kann. Dazu benötigt eine Schule einen Förderschwerpunkt, "in welcher Art auch immer". Wird ein Nachnutzungskonzept erstellt, könnte das künftig eine Rolle spielen.

Die anwesende Elternsprecherin der angrenzenden integrativ-kooperativen Regine-Hildebrandt-Gesamtschule, Susanne Tönnissen-Kaminsky, plädiert zuvor für die Offenhaltung, weil "nur an ganz wenigen Orten die Möglichkeit besteht, seinen Abschluss barrierefrei zu machen." Sie betont, das Inklusion das Ziel sein sollte, doch sei "die Verwirklichung derzeit noch weit entfernt". Die Schulkonferenz werde sich weiter für das Wohnheim einsetzen, sagt sie.

Auch Schulleiterin Kathrin Voigt ergreift das Wort. Sie sagt, dass das Land noch kein Konzept für die Inklusion in der Sekundarstufe habe, und die Sorge besteht, dass hier "etwas kaputt" gemacht wird. Sie hält die Zahl von acht Schülern künftig für wahrscheinlich und erklärt, dass einige Jugendliche erst in der neunten Klasse an die Schule kämen.

Von der Schließung wären neun Mitarbeiter betroffen, die Angestellte des Landkreises sind. Der Personalrat befürchtet nun betriebsbedingte Kündigungen, weil keine vergleichbaren Stellen zur Verfügung stünden, sagt Ricarda Schlötcke vom Personalrat. "Andere Wohnheime sind ebenso schlecht ausgelastet." Margrit Rack, die im Landratsamt den Fachbereich Personal leitet, berichtet, dass sie am 29. Oktober bereits Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern geführt hat und dass nach Lösungen zur Weiterbeschäftigung gesucht wird, etwa über eine Qualifizierung mittels Online-Schulungen, zum Beispiel zum Sozialarbeiter, "die werden gesucht", sagt Rack und ergänzt: "Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden."

"Dass schon Gespräche geführt wurden, bevor ein demokratisches Gremium einen Beschluss fasst, darüber bin ich enttäuscht und entsetzt", sagt die Elternsprecherin der Schule, Susanne Tönnissen-Kaminsky.

OGA 22.11.2013 / von Anja Hamm




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11:34:00 22.11.2013 von CMS System Benutzer