Abenteuer Denken

 

Abenteuer Denken

Bernd Stäbler erhielt gestern den Brandenburgischen Lehrerpreis

MAZ  26.02.2013
 
 

BIRKENWERDER -  Eine typische Matheaufgabe zu Ebenen und Geraden könnte bei Bernd Stäbler so aussehen: „Sie bauen ein Blockhaus an einem Hang. Wie viel Sand müsste man für die Terrasse aufschütten?“ Mathe-Unterricht, wie Bernd Stäbler ihn versteht, ist immer konkret und anschaulich. Auch deshalb wurde der 54-jährige Mathe- und Physiklehrer der Regine-Hildebrandt-Schule in Birkenwerder gestern mit dem Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreis ausgezeichnet.

Schüler hatten Stäbler für den Preis vorgeschlagen – weil, so heißt es im Nominierungsschreiben, er so engagiert unterrichtet und einen so respektvollen Umgang mit Schülern pflegt. Als Stäbler von seiner Nominierung erfuhr, hat er sich zutiefst gefreut. „Ich bin im Innersten berührt“, sagt er. Auch wenn er selbst findet, dass es sehr viele engagierte Lehrer gibt.

Er brenne für seinen Job, sagt Stäbler. Und wer mit ihm spricht, spürt sofort, dass das nicht nur eine Floskel ist. „Man darf den Lehrerberuf nicht nur als Job sehen“, findet der Vater eines erwachsenen Sohnes. täbler sucht das Gespräch mit Schülern. „Es muss eine Unterhaltung stattfinden.“ Schüler, die nur still alles mitschreiben – die wären nichts für ihn. „Leute, das geht so nicht“, würde er sagen. Stäbler will diskutieren, will ein Echo. Er versucht, einen Matheunterricht zu machen, wie er ihn selbst gerne gehabt hätte. „Mathe ist zu 70 Prozent Mut, sich darauf einzulassen“, sagt er. „Man muss sich für Mathe öffnen Skönnen.“ Das bloße Rechnen ist für ihn

 

 

dabei zweitrangig. Stäbler wünscht sich Schüler, die Lust am Denken haben.

Der begeisterte Comic-Sammler und Badminton-Spieler unterrichtet ganz klassisch. Auf White-Boards oder grafikfähige Rechner könnte er eigentlich verzichten. Lieber nimmt er das Klassenbuch und ein paar Stöcke in die Hand, um eine Flugbahn zu erklären. „Ich bin ein Lehrer der alten Schule“, sagt er lächelnd. Seit Gründung der Regine-Hildebrandt-Schule unterrichtet der Hohen Neuendorfer an dem Haus, in dem behinderte und nichtbehinderte Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Stäbler weiß zu schätzen, dass der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern besonders eng ist und die Schule Wert auf ein soziales Miteinander legt. „Wenn Schüler außer einer Physiknote auch noch Teamgeist und andere Werte mitnehmen, dann hat unser Modell funktioniert“, sagt er.

Schon vor Gründung der Schule hat er an der benachbarten Klinik als Erzieher mit behinderten Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Er weiß um ihre Lebenssituation. Und er weiß, dass ein gemeinsames Billiardspiel „1000-mal wichtiger ist als der Satz des Pythagoras“.

Respekt ist Stäbler wichtig. Selbst wenn er einem Schüler mitteilen muss, dass seine Leistungen in Mathe und Physik für ein Abitur nicht ausreichen, so wünscht er sich, dass der Schüler „mit erhobenem Haupt“ aus dem Gespräch gehen kann. „Ich will ihm auch später noch begegnen können.“ (Von Frauke Herweg)

     
     




Veröffentlicht am:
16:12:00 26.03.2013 von CMS System Benutzer