Jeder tut, was er kann

Jeder tut, was er kann

Bildungsministerin frischt in der Regine-Hildebrandt-Schule ihr Wissen auf


OGA 10/11.12.2011
Birkenwerder (MZV) Die Zahlen sprechen für sich: 275Sechstklässler wären im Sommer gerne auf die Regine-Hildebrandt-Schule gewechselt. 161 konnten aufgenommen werden, und das auch nur, weil ausnahmsweise sieben siebente Klassen eröffnet wurden. Der Ganztags-Gesamtschule eilt ein guter Ruf voraus. 680 Schülerinnen und Schüler werden hier unterrichtet, darunter 80Jugendliche mit unterschiedlichem sonderpädagogischen Förderbedarf.Dass Schule allen Spaß machen kann, wenn Behinderte und nicht Behinderte selbstverständlich miteinander lernen und freundschaftlich umgehen, ist in der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule gelebte Praxis. Martina Münch bekam es gestern von Schülern, Elternvertretern und Pädagogen gleichermaßen zu hören. Inklusion ist dort nicht als Begriff in aller Munde, doch die Schüler werden als Gesamtheit gesehen und im Rahmen der Klasse je nach Bedarf gefördert. Wer den Stoff schneller lernt, muss nicht die Gruppe und damit womöglich den Freundeskreis wechseln, sondern bekommt ein anderes Aufgabenblatt – so geht Leistungsdifferenzierung eben auch. Soziale Fähigkeiten und Empathie fallen dabei „nebenbei“ mit ab. „Auch die Lehrer lernen aus Fehlern mit Behinderten, das spiegelt sich dann auch vom Lehrer auf die Klasse wider“, hat Dennis Jeromin erlebt, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Schülersprecherin Giselle Strugale erklärte, dass niemand bevorzugt oder benachteiligt werde. „Jeder hat doch Probleme in manchen Fächern.“

Martina Münch äußerte sich beeindruckt, zumal die Vorbehalte gegen Inklusion landesweit noch groß seien. In vielen Gesprächen mit Schulleitern und Lehrern stünden fehlende Räumlichkeiten und Gelder der Inklusion entgegen.

 

 

Die jahrelange Erfahrung des Teams, der Mut der Schulleitung, Neues auszuprobieren und das gute Schüler-Lehrer-Verhältnis sind es, die den Geist der Einrichtung ausmachen. „Wenn Lehrer gerne zur Schule gehen, dann kriegen davon auch die Schüler was ab. Es ist eine sich selbst drehende Spirale nach oben“, formulierte es Schulleiter Hans-Jörg Behrendt. „Verhaltensoriginelle“ Schüler gebe es zwar auch. Probleme müssten eben zuerst gelöst werden, bevor der Schulbetrieb normal weitergehen könne. „Die Schüler bringen die Leistungen, weil sie sich wohlfühlen.“ Ein Drittel kommt mit Gymnasialempfehlung, doch für die 11.Klasse qualifizieren sich dann 60Prozent der Jugendlichen, und auch der Abiturdurchschnitt sei „einen Tick“ besser als im Landesmittel, erklärte Behrendt. Zwar sei eine gute Ausstattung, wie sie die Schule durch den Neubau nun habe, wichtig. Doch habe die Schule ihr Ansehen in der Region schon unter ganz beengten Verhältnissen errungen.

Übertragen lassen sich die Gegebenheiten allerdings nicht so einfach auf andere Schulen. Denn der Weg, eine Förderschule für Körperbehinderte und eine allgemein bildende Schule zusammenzulegen, sei bereits ein besonderer und ebenso, dass die Gesamtschule von Beginn an eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet habe.

Nach der Gesprächsrunde setzten sich Bildungsministerin, Schulleiter, Landrat und Schulrat im Chemieraum gemeinsam in die letzte Reihe. Sie beobachteten die Zehntklässler beim Mixen von Metallhydroxidlösungen und bekamen einen ganz praktischen Eindruck von gelingender Gruppenarbeit, wenn sich verschiedene Leistungsstufen überschneiden.

   
Experimente vorbereiten: Die Zehntklässler stellten Metallhydroxidlösungen her. Je nach Leistungsgrad waren die Aufgaben unterschiedlich verteilt.




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22:36:31 10.12.2011 von CMS System Benutzer