Eine Reise in die Zukunft

Von JÜRGEN LIEBEZEIT / OGA 20.04.2013

Angst hat keiner, eher Respekt - und eine große Portion Neugierde auf Land und Leute. Eine Woche vordem Start nach Israel gibt sich die Schülergruppe der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule aus Birkenwerder gelassen und cool.

Erstmals in Brandenburg gibt es einen Austausch behinderter und nichtbehinderter Schülerinnen und Schüler mit Israel. Neun Mädchen und Jungen zwischen 15 und 18 Jahren fahren gemeinsam mit Schulleiterin Kathrin Voigt und Deutsch- und Kunstlehrerin Judith Priess nächsten Sonnabend für eine Woche in den Bezirk Petach Tikwa. Dort trifft die Gruppe auf israelische Jugendliche mit Behinderung. "Für uns ist das eine Reise in die Zukunft", sagt Schulleiterin Kathrin Voigt. Denn in Israel ist Inklusion bereits der schulische Regelfall. In Deutschland gehört die gemeinsame Beschulung von behinderten und nichtbehinderten Kindern noch nicht zum Alltag. Die Regine-Hildebrandt-Schule ist aber Vorreiterin.

Vor Ort treffen die Jugendlichen aus Birkenwerder Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD), der bestehende Kontakte mit israelischen und palästinensischen Politikern vertiefen will. Im Kibuz Magal gibt es Gelegenheit zum Gespräch.

Doch nicht das Treffen mit Platzeck ist für die Jugendlichen der Höhepunkt der Reise. Sie freuen sich vielmehr darauf, mit Gleichaltrigen über das Leben in Israel zu reden. "Ich bin gespannt darauf, wie die Jugendlichen ihren Alltag meistern", sagt Lisa Schwabe, die selbst behindert ist. Aber auch die Historie dre Region und besonders die religiösen Hintergründe interessieren die Jugendlichen aus Birkenwerder. Gespannt sind alle auf den Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem, wo sie ein zweites Mal den Ministerpräsidenten treffen werden. "Es ist ein Land voller Gegensätze", bereitet Israel-Kennerin Judith Priess die Jugendlichen auf Überraschungen zwischen Mittelmeer und Totem Meer vor. "Solch eine Reise kann das ganze Leben prägen", hat Jürgen Dusel, Beauftragter der Landesregierung für Menschen mit Behinderung, selber erfahren. Der nahezu blinde Mann hat in Israel Musik studiert. "Nach eurer Rückkehr werdet ihr die Nachrichten aus und über Israel anders bewerten", ist sich Dusel sicher, dass manches Vorurteil über die Region über Bord geworfen wird. Dazu sind die Jugendlichen bereit: "Ich muss mir immer ein eigenes Bild vor Ort machen", erklärt Schülerin Lisa Herrmann ihre Motivation, an der Reise teilzunehmen.

Die Gefahr von Terror-Anschlägen relativiert Dusel. "Für mich ist es gefährlicher, durch Los Angeles zu laufen, als durch Jerusalem oder Tel Aviv." Und an Waffen tragenden Soldatinnen im Straßenbild gewöhne man sich als Besucher schnell. "Mir hat es ein Gefühl der Sicherheit gegeben", so Dusel.

Die Gruppe dokumentiert ihre Reise. Ziel ist es, eine Ausstellung zu erarbeiten, die im nächsten Jahr beim Gegenbesuch der Israelis in Birkenwerder erweitert wird. Zudem begleitet der Bärenklauer Fernseh-Journalist Martin Priess die Gruppe.

Das Land Brandenburg fördert den deutsch-israelischen Austausch mit 6.000 Euro. Weitere finanzielle Mittel kommen von der Harold-Bob-Stiftung und der Axel-Springer-Stiftung.
 






Veröffentlicht am:
14:44:00 25.04.2013 von CMS System Benutzer